Als ich gestern nach Hause kam, wartete mein jüngerer Sohn bereits auf mich. Noch bevor ich die Haustüre erreichte, öffnete sie sich: „Ich will zum Maibaumsetzen!“
Das Maibaumsetzen am Hof Kleiberg hat in Wiefelstede eine lange Tradition. Seit ich denken kann, wird es mit Getränken, Bratwurst und Pommes begangen. Im Innenraum des Hof Kleiberg gibt es eine Tanzfläche und eine Cocktailbar. Der Großteil der Faszination für meinen Sohn – und auch mich damals – hat jedoch einen anderen Grund. Nachdem die Brassband mit ihren Interpretationen moderner Musik das Aufrichten eingeleitet hat, werden einige Liegestühle herangeholt: Die mit einem gebundenen Ring geschmückte Birke muss bewacht werden.
Bei uns ist es üblich, dass der Maibaum ab der Errichtung bis zum Sonnenaufgang am ersten Mai gestohlen werden darf. Dazu werden drei Nägel in den Baum geschlagen. Anschließend wird der so markierte Baum abtransportiert. Neben dem Baum der „Diebe“ findet er dann eine neue Heimat. Um dies zu verhindern, muss der Maibaum die ganze Nacht bewacht werden.
Während die Erwachsenen sich unterhalten ist es so zunächst an den Kindern, Wache zu schieben. Bis Sonnenuntergang spielen die jüngeren auf dem Rasen oder bewegen sich zu noch leiser Musik auf der Tanzfläche. Die Nacht verspricht trocken und relativ warm zu werden. Gute Bedingungen also für die (meist jungen) Erwachsenen, die später das aufpassen und auf die Pirsch gehen werden.

